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Anekdoten - Die Firma Stauch und Stehle

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"Anekdoten und Geschichten aus Palmbach" (6)

Die Firma Stauch & Stehle - Die Jugendstreiche des Walter Reinhard Tron

Wieder mal nach einer Singstunde hatte man sich vor dem nach Hause gehen auf der Lammbrücke noch etwas zu erzählen. Dach die Unterhaltung wurde des öfteren von einem früh krähenden Hahn gestört. "So ein Sauvieh", meinte der Walter, "der Kerl könnte doch seinen Schnabel halten". Ein Mitglied der "Clique" beschloss da Abhilfe zu schaffen. Nach einigen Minuten brachte er den Hahn, jedoch mit verkehrter Kopfstellung. Was nun? Ein älterer Sänger stellte Herd und Küche zur Verfügung, um

den Ruhestörer in einen genießbaren Zustand zu bringen.

Schon auf dem Weg zur Zubereitungsstätte wurde festgestellt, dass dieser eine Hahn für die Zahl der Beteiligten doch ein bisschen zu wenig sei. Es wurde beschlossen, ihm noch einen Kameraden zu holen, was auch sofort in die Tat umgesetzt wurde. Walter musste Schmiere stehen. Um aber gegen etwaige Kalamitäten geschützt zu sein, mussten die anderen Sänger in absehbarer Nähe des Tatortes ganz piano ein Liedchen singen. Alles gelang. Der Eigentümer von Herd und Küche war auch des Schlachtens kundig, deshalb musste er auch die Hähne ihres Federschmuckes berauben und die operativen Eingriffe vornehmen. An Stelle von Bier und Wein wurde da Most getrunken und noch einige Liedchen gesungen. Schon nach einer Stunde kam die erste Fleischbrühe. Ein Gedicht von einer Fleischbrühe.

Der damals älteste aktive Sänger, der 75jährige Benjamin Specht, der ahnungslos zu diesem Schmaus eingeladen wurde, meinte so nach der zweiten Tasse: "Kinder, so eine Fleischbrühe, die weckt einen Toten auf! Wenn ich da noch zwei Tassen trinke, dann springe ich mit gleichen Füßen über den Tisch!" - - - Die beiden Hähne wurden nur zum Teil verspeist und so machte man sich - voll in jeder Beziehung - beim Morgengrauen auf den Heimweg. Der Schwiegersohn des ältesten Sängers stellte jedoch des morgens beim Füttern fest, dass sein Zuchthahn fehlte. Dem alten Specht kamen nun Bedenken und er erzählte das Erlebnis der vergangenen Nacht. Das Schicksal nahm seinen Lauf. --- Die reuigen Sünder traten den Weg nach Canossa an und beichteten ihre verruchte Tat. Zum Sprecher wurde Walter Tron bestimmt, denn er war der Mutigste und konnte am besten reden.

Der Adolf Spoth, der Geschädigte, war auch ein alter Sänger und hatte Sinn für Humor. Sein Urteil lautete: "Ich sollte Euch ja alle anzeigen! Doch davon würde mein Hahn auch nicht wieder lebendig. Der Zuchthahn kostete mich 20.- Mark, und das müsst Ihr auch dafür bezahlen. Und zwar sofort. Damit ihr aber seht, was ich für ein guter Mensch bin, soll es an einem Beweis nicht fehlen.

Das Geld wird heute abend im Lamm versoffen. - Ein Stein fiel allen vom Herzen.

Am Abend traf man sich - zwar immer noch mit einem schlechten Gewissen, mit dem Zuchthahnvater im Gasthaus ,,Zum Lamm". Er ließ einen Liter Wein nach dem anderen auffahren. Walter hielt noch einmal eine kleine Rede und beteuerte abermals, die bösen Hähne seien ja selbst schuld gewesen und eine schlechte Absicht habe überhaupt nicht vorgelegen.

Das ging dem Geschädigten so zu Herzen, dass er noch jedem eine Portion Schwartenmagen bezahlte. Aber oh Schreck! Als der Adolf bezahlte, machte er ein tieftrauriges Gesicht und sagte: "Noi, mei Gott, hätt' ich doch lieber in's Bett gesch .... So geht es einem, wenn man zu gut ist. Jetzt sind nicht nur 20 Mark für den Zuchthahn fort, sondern noch 30 Mark dazu!" --- Die an dieser Aktion Beteiligten nannte man lange Jahre die ,,Firma Stauch & Stehle".



Diese Geschichten sind entnommen aus der Denkschrift "Vom Schumacher zum Fabrikant" zum 60. Geburtstag des Palmbacher Ehrenbürgers Walter Reinhard Tron. Sie ereigneten sich in Palmbach in den Jahren ca. 1920 - 1925

 

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