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2001: Bericht über Festakt

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Bericht über den Festakt "300 Jahre Palmbach" am 07. Juli 2001

Ortsjubiläum wurde festlich begangen.

Mit einer Reihe von Veranstaltungen wird in diesem Jahr an die Vorfahren gedacht, die vor 300 Jahren aus Glaubensgründen aus ihrer Heimat vertrieben wurden und den heutigen Karlsruher Stadtteil Palmbach gründeten.

Im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe steht bzw. stand der Festakt, der am vergangenen Samstag begangen wurde. Wie groß das Interesse an der Geschichte Palmbachs ist, zeigte die voll besetzte Turnhalle der Carl-Benz-Schule Wettersbach. Ein buntes Programm hatte der Festausschuss, der von den Palmbacher Vereinen und Organisationen gegründet wurde, zusammengestellt. Durch die Programmpunkte führte Walter Ayass.

300 Jahre Waldenserort  Palmbach

Zum Auftakt des Festaktes besangen die Bänkelsänger, die schon beim historischen Theaterstück ,,Angeklagt" aufgetreten waren, die Geschichte um die Vertreibung der Waldenser und die Gründung Palmbachs. Nach rhythmischen Klängen des Instrumental-Musikvereins teilten sich die Begrüßung Herr Ortsvorsteher Rainer Frank und Frau Pfarrerin Ruth Nakatenus und unterstrichen, damit die besondere Zusammenarbeit bei den Vorbereitungen zu den 300-Jahr-Feierlichkeiten als kirchliches und gemeindliches Jubiläum.

Herr Ortsvorsteher Rainer Frank verknüpfte die Vergangenheit mit der Gegenwart über die Betrachtung der Migration und zog so einen Brückenschlag von den Wanderungsbewegungen heute und der beispielhaften Eingliederung vor 300 Jahren. Der Tenor der Begrüßung von Frau Ruth Nakatenus zeigte aus der Trennung von Kirche und Kommune auf die gleichzeitig bestehende Verbindung durch Kirche und Politik.

Der Oberbürgermeister Heinz Fenrich zeigte sich als besonderer Kenner der Geschichte der Waldenser und der Gründung Palmbachs. Über die Feier des Stadtgeburtstags Mitte Juni eröffnete er Gemeinsamkeiten zwischen Palmbach und Karlsruhe.

Neben der Jugend im Vergleich mit den anderen Stadtteilen (Grötzingen, Hagsfeld oder Knielingen bestehen bereits über 1000 Jahre) konnten Parallelen über die großzügigen Aufnahmebedingungen, für die Waldenser durch Herzog Eberhard Ludwig, für die Neubürger der Residenz Karlsruhe durch Markgraf Karl Wilhelm nur 14 Jahre später, gezogen werden. Mit seiner Gratulation an alle Palmbacher überreichte er Herrn Ortsvorsteher Rainer Frank als Präsent ein Bild.

Vor dem Festvortrag durch den wissenschaftlichen Vorstand der Waldenservereinigung, Herrn Dr. Albert De Lange, bot der Gesangverein Harmonie Palmbach einige Volkslieder dar. Herr Dr. Albert De Lange verstand es in humorvoller Weise die Geschichte der Waldenserbewegung und ihre Ansiedlung in Palmbach zu präsentieren. Ihren Ursprung haften demnach die Waldenser als 1561 in La Balme und in Nachbarorten die Bauern den kalvinistischen Glauben, einem besonderen Zweig der evangelischen Glaubensrichtung, annahmen. Wesentliches Kennzeichen der Kalvinisten war, dass sie als Kirche selbst verwalten und entscheiden wollten und den Geboten des Staates wenig Beachtung schenkten. Entsprechend wurden sie im katholischen Frankreich als gefährlich eingestuft und waren verstärkt Verfolgungen ausgesetzt. Als 1685 Ludwig XIV das Edikt von Nante aufhob, verschärfte sich die Lage nochmals. In der Folgezeit wurden die gegen das Edikt gebauten Kirchen zerstört und die Kalvinisten verboten. Von da an begann die Flucht und Vertreibung der Gründungsväter Palmbachs über die Schweiz nach Hessen.

Näheres über die Geschichte Palmbachs beinhaltet die Festschrift mit dem Titel Palmbach - Streifzüge durch die Ortsgeschichte, die durch den Leiter des Stadtarchives Herrn Dr. Bräunche am Festakt präsentiert wurde. Die Festschrift ist Geschichtsbuch, Ortschronik und Bildband zugleich. Neben dem historischen Überblick auch aus der Kirchengeschichte ist die Zeit der Eingemeindung, die Siedlungsgeschichte und die Entwicklung der Palmbacher Vereine beinhaltet. Schwerpunkt bilden die historischen Fotos, die in den Rubriken Ortsansichten, Bevölkerung, Gewerbe und Landwirtschaft gegliedert sind. Die Festschrift kann bei der Ortsverwaltung zum Preis von 28,00 DM bezogen werden.

Zum Abschluss des offiziellen Teiles spielte nochmals der Instrumental - Musikverejn Grünwettersbach. Den Ausklang des Abends untermalten die Saxophonisten Balanced Action.

(Aus Wettersbacher Anzeiger Nr. 28, vom 12.07.2001)


 

Beispiel gelungener Integration

Vor 300 Jahren gründeten Waldenser aus Frankreich die Siedlung ,,La Balme"

Der Historiker Albert de Lange war schon immer von Palmbach fasziniert, obwohl das einem Niederländer nicht unbedingt ins Stammbuch geschrieben ist. Aber der wissenschaftliche Vorstand der deutschen Waldenservereinigung meinte vergangenen Samstag, dass die Siedlung ,,La Balme" - Französisch: ,,Zuflucht" - auf der Gemarkung Grünwettersbach der einzige Ort gewesen sei, der von Vertriebenen errichtet worden ist. Andere Waldenserdörfer im Südwesten Deutschlands, wie etwa Welschneureut oder Friedrichstal, seien Gründungen von Flüchtlingen.

Albert de Lange war Festredner bei der Feierstunde zu 300 Jahre La Balme / Palmbach. Er unterscheidet zwischen Dörfern, deren Neubewohner ihre alte Heimat aus freien Stücken verlassen hatten, weil sie ihre Religion nicht mehr ausüben konnten, und Ansiedlungen, deren Gründer gerne an ihrem angestammten Ort geblieben wären, aber von den Herrschenden zum Verlassen gezwungen wurden. Im April 1701 waren 28 Waldenserfamilien nach einer wahren Odyssee aus ihrem Heimatort La Balme im heute französischen Savoyen über die Schweiz und Hessen-Darmstadt auf dem Alb-Pfinz-Plateau angekommen. Württembergs Herzog Eberhard Ludwig hatte ihnen das seit dem 30-jährigen Krieg menschenleere und brachliegende, karge Gelände überlassen Das Gebiet oberhalb der Baden-Durlachischen Residenz Durlach war eine württembergische Exklave.

Die ziemlich sturen Calvinisten aus La Balme beugten sich dem französischen Herrscher nicht, der 1685 das Edikt von Nantes zur Glaubensfreiheit aufgehoben hatte. Weil sie nicht katholisch sein wollten, wurden sie aus ihrem Tal regelrecht rausgeschmissen und kamen 1701 in Württemberg an. Am 24. Juni, also fast auf den Tag genau 300 Jahre vor dem Festakt, erklärten sie dem württembergischen Fürsten ihre Ergebenheit. Freilich waren sie bei ihren Nachbarn zunächst nicht wohl gelitten, was auch die Palmbacher ,, Bänkelsänger" mit ihrem Lied beim Festakt darstellten. Letzten Endes aber wurden die Waldenser integriert, heute leben Palmbacher und Grünwettersbacher in Wettersbach friedlich zusammen. Ortsvorsteher Rainer Frank nahm dies zum Beispiel für die Integration von Migranten. Auch heute müssten Menschen ihre Heimat unter Opfern verlassen. Toleranz sei der Weg, der zum Ziel führe. Neben Frank begrüßte Ruth Nakatenus, Pfarrerin der Waldensergemeinde, die Gäste. In ihrer Kirche ist bis zum 3. August eine Ausstellung des Waldensermuseums Ötisheim - Schönenberg zum Schicksal der Glaubensgemeinschaft zu sehen, ergänzt mit Motiven aus Palmbach.

Oberbürgermeister Heinz Fenrich sah manche Parallele in der Geschichte Karlsruhes und Palmbachs. Die mit 286 Jahren noch jugendliche Stadt Karlsruhe sei froh, dass mit Palmbach wenigstens ein Stadtteil noch ähnlich jung sei. Beiden Orten sei zudem gemeinsam, dass den Ansiedlungen Zusagen des jeweiligen Landesherren zu religiöser Toleranz voraus gegangen waren. In seiner Ansprache streifte der OB die Geschichte Palmbachs bis zum Zusammenschluss mit Grünwettersbach 1972 zur Gemeinde Wettersbach und der in Baden-Württemberg einzigen Eingemeindung eines fusionierten Ortes in die benachbarte Großstadt. Grünwettersbach und Palmbach sind seit 1975 Stadtteile von Karlsruhe. Das Stadtarchiv hat zusammen mit der Ortsverwaltung Wettersbach ein reich bebildertes, 130 Seiten starkes Buch herausgegeben, das Archivleiter Dr. Ernst-Otto Bräunche zu Ende der Veranstaltung vorgestellte. Die Festlichkeiten gehen am nächsten Wochenende mit einem Straßenfest in Palmbachs Talstraße weiter.

 

-erg- (entnommen aus der StadtZeitung vom 13.07.2001)

 

 


 

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